Das Dazwischen
Du hast den alten Weg verlassen (zumindest in deinem Kopf).
Den neuen hast du noch nicht gefunden.
Und jetzt befindest du dich in diesem seltsamen Dazwischen – äußerlich sieht alles gleich aus, doch innerlich fühlt sich alles anders an.
Es gibt keine aufregende Neuigkeit zu verkünden.
Keinen neuen Titel. Keine klare Geschichte.
Aber genau hier – genau hier – beginnt echte Veränderung.
Im Nebel der Veränderung
Du hast das Mutige getan.
Du hast dir eingestanden, dass etwas nicht stimmt.
Vielleicht hast du einen Job verlassen, oder vielleicht hörst du einfach auf, so zu tun, als würde er noch passen.
Aber jetzt?
Du treibst herum. Unsicher. Unproduktiv.
Du fragst dich immer wieder:
„Was kommt als Nächstes?“
„Warum habe ich es noch nicht herausgefunden?“
Das solltest du wissen:
Du bist nicht festgefahren.
Du befindest dich in einer Phase der Neuorientierung – und das ist wichtiger, als du denkst.
Erzwinge keine Antworten. Folge deinem inneren Impuls.
Wenn KundInnen in diese Phase kommen, ist ihr erster Impuls oft, Klarheit erzwingen zu wollen.
Sie wollen den Plan. Die Richtung. Den perfekten nächsten Schritt.
Klarheit entsteht jedoch erst mit der Zeit und durch bewusste Aufmerksamkeit.
Statt eine schnelle Antwort zu erzwingen, lade ich sie (und dich) ein, eine andere Frage zu stellen:
🔍 Was gibt mir gerade (auch nur ein kleines bisschen) Energie?
Genau das.
Nicht „Welchen Job soll ich machen?“
Nicht „Was ist mein Fünf-Jahres-Plan?“
Sondern:
Was lässt mich innerlich aufblühen?
Interesse? Neugier? Erleichterung? Lebendigkeit?
💬 „Klarheit kommt nicht auf Knopfdruck – sie wächst mit der Zeit und Aufmerksamkeit.“
Wie ich mich vorsichtig herangetastet habe (ohne es zu wissen)
Das ist wie es bei mir angefangen hat.
Bevor ich meine erste Vollzeitstelle als Scrum Master angetreten habe, war ich Scrum Master für mein Team – aber das war nur ein Teil meiner Aufgaben. Den Großteil meiner Zeit habe ich mit anderen Verantwortungen verbracht. Die Arbeit als Scrum Master war etwas, das ich nebenbei ausprobiert habe.
Das war am Anfang keine große Karriereentscheidung. Es war einfach ein Teil meiner Rolle, zu dem ich mich hingezogen fühlte.
Irgendwann klickte es dann.
Was mich wirklich gefesselt hat, war nicht der Code oder das Produkt.
Es waren die Menschen.
Ich liebte das Coaching.
Ich liebte die Zusammenarbeit mit Teams.
Ich liebte es, Menschen dabei zu helfen, ihr Potenzial zu entfalten.
Dieser Funke – dieses Gefühl von Lebendigkeit – war mein erster Hinweis.
Neugierig geworden, habe ich mich für meine erste Coaching-Zertifizierung angemeldet – nicht weil ich einen Masterplan hatte, sondern weil es sich wie der nächste richtige Schritt anfühlte.
Erst danach habe ich meine erste Vollzeitstelle als Scrum Master angenommen. Mit der Zeit wuchsen meine Aufgaben, und ich arbeitete als Scrum Master und Agile Coach – unterstützte immer mehr Teams und die gesamte Organisation dabei, bessere Arbeitsweisen zu finden.
Gleichzeitig fing ich an, auch mehr Einzelpersonen zu coachen – Menschen individuell zu begleiten, damit sie in ihren Rollen wachsen, Herausforderungen meistern und das entdecken, was ihnen Energie gibt.
So führte ein Experiment zum nächsten.
Coaching war für mich nicht nur spannend – es wurde ein zentraler Teil meiner Arbeit und Identität.
Du musst nicht das ganze Bild kennen. Es reicht, zu spüren, was dich lebendig macht – und bereit zu sein, erste Schritte auszuprobieren.
Was mir Agile über Klarheit im Job gelehrt hat
Als Agile Coach helfe ich Teams, ihren Flow zu finden – indem wir Hindernisse abbauen, früh testen und schnell lernen. Wir warten nicht auf den perfekten Plan. Stattdessen experimentieren wir, sammeln Feedback und lassen Wert im Laufe der Zeit entstehen.
Und ich habe gemerkt:
Dieser Ansatz funktioniert auch hervorragend bei beruflichen Veränderungen.
💡 Warte nicht, bis du alles genau weißt.
💡 Strebe nicht den „perfekten“ nächsten Schritt an.
💡 Fang mit dem an, was sich vielversprechend anfühlt – und probiere es aus.
Vielleicht ist es ein Gespräch, das du suchst.
Vielleicht eine Weiterbildung, bei der du mitmachst.
Oder eine Idee, die du schon lange aufgeschoben hast und jetzt erkunden willst.
Das sind keine Verpflichtungen.
Es sind Karriere-Experimente.
Und das Wichtigste:
Sie helfen dir, voranzukommen, ohne alles genau kennen zu müssen.
Manchmal führt dich ein kleiner Schritt in eine Richtung, die du nie erwartet hättest.
🌀 „Du musst nicht bereit sein, um zu starten – aber du musst starten, um bereit zu werden.“
Eine Geschichte aus der Praxis
Eine Kundin von mir — nennen wir sie Julia — kam ins Coaching, nachdem sie einen stressigen Job verlassen hatte. Sie fühlte sich leer und verloren. Sie wollte schnelle Antworten, weil sie an das hohe Tempo in ihrem früheren, dynamischen Job gewöhnt war.
Doch statt schnelle Lösungen zu suchen, haben wir erst mal innegehalten.
Wir haben nach den kleinen Momenten gesucht, die ihr Energie geben.
Julia bemerkte, dass sie sich am lebendigsten fühlte, wenn sie jüngere KollegInnen begleitete.
Sie strahlte, wenn sie über Systeme sprach, die Menschen unterstützten — und nicht nur den Gewinn.
Sie folgte dieser Energie und startete einen kleinen "Mentoring Growth Circle" – erst mal als Versuch.
Ein Gespräch führte zum nächsten.
Julia änderte nicht von heute auf morgen alles.
Aber nach einigen Monaten hatte sie eine neue Rolle für sich geschaffen: ein Mix aus Strategie und Personalentwicklung – eine Position, in der sie Kultur gestalten, Talente fördern und ganz nach ihren Werten arbeiten konnte.
Sie erzählte mir, dass sie zum ersten Mal seit Jahren den Montagmorgen nicht mehr fürchtete.
Das ist die Kraft kleiner Experimente mit großen Hinweisen auf Möglichkeiten.
✨ „Veränderungen beginnen selten mit großen Sprüngen – meistens mit kleinen Signalen.“
Probier’s mal aus: Eine 5-Minuten-Reflexion
Möchtest du das selbst ausprobieren? Hier ist ein einfacher Einstieg:
Jeden Abend, eine Woche lang, frag dich:
• „Was hat mir heute Energie gegeben?“
• „Was hat mich heute ausgelaugt?“
Mach dir keinen Stress dabei. Nimm es einfach wahr und schreibe es auf.
Dann schau dir deine Notizen in Ruhe an und achte auf Muster.
Nach ein paar Tagen zeigen sich bestimmte Themen — und diese sind wertvolle Hinweise.
Wenn du etwas mehr Zeit hast, blicke auf einige frühere Rollen oder Projekte zurück:
✨ Was hat mich begeistert?
💪 Worauf war ich stolz?
🌱 Wo konnte ich wirklich etwas bewirken?
→ Welche Stärken oder Werte tauchen immer wieder auf?
Taste dich heran
Aus diesen Mustern kannst du ein kleines Experiment starten – deine persönliche Version eines Karriere-MVP (Minimum Viable Path).
Hier ein paar Ideen:
🔍 Neue Wege erkunden
• Einen Online-Kurs machen
• Einer neuen Community beitreten
• Bei einem Kaffee mit jemandem sprechen, der in einem für dich spannenden Job arbeitet
💪 Neue Rollen oder Fähigkeiten ausprobieren
• An einem bereichsübergreifenden Projekt mitarbeiten
• Ein Meeting oder eine Initiative leiten
• Eine einwöchige Challenge starten, bei der du eine deiner Stärken einsetzt
🧠 Externes Feedback einholen
• Gezielt Feedback zu einer Fähigkeit oder Idee einholen
• Eine „Reverse Feedback“-Session ausprobieren: „Welche Stärken siehst du bei mir am meisten?“
📣 Sichtbarkeit und Kommunikation testen
• Einen Blog Post teilen, woran du gerade arbeitest
• In einem neuen Rahmen sprechen (Meeting, Event, Forum)
Jeder kleine Schritt bringt dir greifbare Erkenntnisse, auf denen du weiter aufbauen kannst.
Lass deine Karriere sich so entwickeln wie großartige Produkte:
Durch Feedback, Flow und kleine, bedeutsame Schritte.
Was jetzt noch klein wirkt, kann der Beginn von etwas Großem sein.
Du musst nicht den ganzen Weg sehen.
Es reicht, zu spüren, was dich lebendig macht – und den ersten Schritt zu gehen.
Der Rest ergibt sich von ganz allein.
Bereit für ein Gespräch?
If you’re in this in-between space and want support making sense of it — I’d love to hear where you are. Let’s have a conversation.
Auf das, was kommt – mit Mut und Neugier! Herzliche Grüße, Stefanie